Gerhard Wagner:  Fazit

Damit ist es an der Zeit, ein grundsätzliches Fazit zu ziehen. Einige wesentliche Erfahrungen und Erkenntnisse, die am Adalbert-Stifter-Gymnasium im Zusammenhang mit offenen Unterrichtsformen gemacht wurden, lassen sich wie folgt formulieren:

1. Schulinnovation, deren Berechtigung, ja Notwendigkeit, heutzutage wohl niemand ernsthaft in Frage stellt, ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht auf dem Prinzip der Offenheit - sozusagen als Grundvoraussetzung - basiert.

2. Für eine Öffnung des Unterrichts bieten sich zahlreiche sinnvolle Formen an, wie auch die hier präsentierten Beispiele gezeigt haben.

3. Eine Öffnung des Unterrichts erscheint in allen Fächern durchführbar und erweist sich im erzieherischen Sinne als sehr wertvoll.

4. Je nach Fach und Stoffgebiet wird Offener Unterricht jedoch in unterschiedlicher Intensität erfolgen.

5. Offener Unterricht ist bestens geeignet, erforderliche Kompetenzen bzw. Schlüsselqualifikationen zu vermitteln.

6. Offener Unterricht bewirkt keineswegs eine Nivellierung etwa des Anspruchsniveaus, sondern vermag in besonderer Weise der Zielsetzung des Forderns und Förderns gerecht zu werden.

7. Selbständigkeit und Führung, Offenheit und Planung dürfen ebensowenig als Gegnsätze gesehen werden wie die Tatsache, dass Anstrengung, Leistungsbereitschaft, Selbstdisziplin nötig sind, um Wohlbefinden und Freude am Erfolg erleben zu können.

8. Und noch einmal: Offener Unterricht stellt damit am Gymnasium eine wertvolle und im wahrsten Sinne des Wortes notwendige Ergänzung und Alternative dar zu selbstverständlich unverzichtbarem lehrerzentrierten Unterricht etwa in der von Franz E. Weinert immer wieder geforderten Form der „direkten Unterweisung".

9. Offener Unterricht kann nur unter bestimmten Rahmenbedingungen sinnvoll realisiert werden. Dazu zählt u.a. die Praktikabilität von Lehrplänen, auch im Hinblick auf abzulegende Prüfungen; dazu gehört die entsprechende Ausstattung der Schulen; aber auch mit Klassen, in denen mehr als 30 Schüler zu betreuen sind, wird Offener Unterricht letztlich nicht in optimaler Weise durchgeführt werden können.

Freilich werden sich alle, die sich modernen Unterrichtsformen geöffnet haben, von den Worten des Altbundespräsidenten Roman Herzog in besonderer Weise bestätigt und ermuntert fühlen:

Schaffen wir ein Bildungswesen, das Leistung fördert, keinen ausschließt, Freude am Lernen vermittelt und selbst als lernendes System kreativ und entwicklungsfähig ist." (R. Herzog)

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